Feuermal – Bedeutung im Face Reading
- Daniel Neuhaus

- 2. Jan.
- 9 Min. Lesezeit
Ein Feuermal, medizinisch als Naevus flammeus bezeichnet, ist eine auffällige, gutartige Hautveränderung. Es zeigt sich meist als hellrote bis dunkelrote, manchmal violett wirkende Fläche, die von Geburt an vorhanden ist. Im englischen Sprachraum wird es häufig als port-wine stain bezeichnet, Portweinfleck, eine Beschreibung, die sich direkt auf seine charakteristische Färbung bezieht.

Feuermale treten bevorzugt im Gesicht auf, besonders im Bereich der Stirn oder des Nackens, können aber ebenso an anderen Stellen des Körpers erscheinen. Anders als der sogenannte Storchenbiss bilden sie sich im Laufe der Kindheit in der Regel nicht zurück. Sie bleiben sichtbar, verändern sich meist nur geringfügig und sind medizinisch gesehen ungefährlich.
Und doch erleben viele Menschen mit einem Feuermal häufig etwas sehr Ähnliches. Früh im Leben wird ihnen bewusst, dass sie auffallen, dass ihr Gesicht etwas trägt, das Blicke anzieht, Fragen hervorruft oder gar Unsicherheit im Gegenüber auslöst. Häufig wächst daher früh der Wunsch, das Feuermal abzudecken, zu überschminken oder zu entfernen.
Aber genau an dieser Stelle lohnt sich ein anderer Blick und die Frage, welche Bedeutung aus Face-Reading-Sicht hinter dem Feuermal steckt.
Inhalte im Überblick
1. Medizinische Sicht und gesellschaftlicher Umgang
Aus medizinischer Perspektive ist das Feuermal eine Gefäßfehlbildung. Die feinen Blutgefäße unter der Haut sind dauerhaft erweitert, was die rötliche Färbung erklärt. Therapeutisch lässt sich ein Feuermal nur begrenzt beeinflussen. Laserbehandlungen können bei kleineren, klar begrenzten Arealen zu einer Aufhellung führen, garantieren aber kein vollständiges Verschwinden. Aus rein gesundheitlicher Sicht besteht in den allermeisten Fällen kein Handlungsbedarf.
Trotzdem wird das Feuermal im gesellschaftlichen Kontext häufig als Makel wahrgenommen. Das liegt weniger an seiner medizinischen Bedeutung als an unserer kulturellen Prägung. Auffällige Hautmerkmale, insbesondere im Gesicht, passen schlecht in ein Schönheitsideal, das auf Glätte, Gleichmäßigkeit und Unauffälligkeit ausgerichtet ist.
Was dabei aber leider oft verloren geht, ist die Frage, was ein solches Merkmal auf einer tieferen Ebene über Wirkung, Biografie und Lebenshaltung erzählen kann.
2. Das Feuermal im Face Reading
Im Face Reading gilt das Feuermal als ein dominantes Merkmal, welches nicht zu übersehen ist. Es prägt oft den ersten Eindruck und wirkt – unabhängig davon, ob jemand das möchte oder nicht.
Deshalb wird ein Feuermal im Face Reading nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenspiel mit dem gesamten Gesicht, der Mimik, der Körperhaltung und der Lebenssituation eines Menschen. Entscheidend sind hierbei mehrere Faktoren, die genaue Position im Gesicht, die Farbqualität, die Klarheit der Begrenzung und die Art, wie der Mensch selbst mit diesem Merkmal umgeht.
Im Gegensatz zur Psycho-Physiognomik (der europäischen Face-Reading-Technik), in der das Feuermal kaum systematisch beschrieben wird, spielt es im chinesischen Gesichtlesen, dem Mian Xiang (auch Siang Mien genannt), durchaus eine Rolle. Dort wird es nicht als Defekt oder Makel gelesen, sondern als Zeichen einer besonders starken Verbindung von Blut und Qi, also von Körperlichkeit und Lebenskraft.
3. Lebensenergie, Wirkung und Öffentlichkeit
Menschen mit einem Feuermal führen selten ein unauffälliges Leben. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass dominante Merkmale früh Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung erzeugen. Gerade in jungen Jahren kann das herausfordernd sein. Gleichzeitig kann es die eigene Präsenz stärken, Selbstbewusstsein fördern und einen bewussteren Umgang mit der eigenen Wirkung entstehen lassen.
Menschen mit einem Feuermal gelten als Personen, mit großer Bedeutung, Wirkung oder besonderer sichtbarer Aufgabe. Es geht dabei um Einfluss auf andere Menschen und auf Situationen. Menschen mit einem Feuermal hinterlassen Eindrücke und bleiben im Gedächtnis. Sie bewegen etwas. Häufig stehen sie mitten im Geschehen und prägen, was um sie herum entsteht in besonderer Art und Weise.
Ein bekanntes Beispiel ist Michail Gorbatschow, dessen Feuermal auf der Stirn weltweit bekannt wurde. Sein politisches Wirken hat historische Veränderungen angestoßen und Spuren hinterlassen, die bis heute nachwirken. Im chinesischen Face Reading dient dieses Beispiel als Illustration dafür, wie Sichtbarkeit und Wirkung zusammen auftreten können und welche Tragweite daraus entstehen kann.
4. Die Bedeutung des Feuermal und die Position im Gesicht
Die Lesart eines Feuermals hängt stark davon ab, wo genau im Gesicht es liegt.
Befindet sich das Feuermal auf der Stirn, insbesondere im Bereich des sogenannten Himmelshofs, (天庭 Tiāntíng), wie die Chinesen diesen Bereich nennen, wird es mit Themen wie Führung, Autorität und früher Verantwortung verbunden. Dieser Bereich ist dem Karrierepalast (官祿宮 Guān Lù Gōng) zugeordnet und steht in enger Beziehung zur Zukunftsausrichtung und zur gesellschaftlichen Rolle eines Menschen. Feuermale an dieser Stelle weisen daher oft auf ein Leben hin, das früh Anforderungen stellt und nicht selten von Umbrüchen geprägt ist. Gleichzeitig zeigt sich hier eine charismatische Wirkung sowie der Mut, besondere Veränderungen anzustoßen.
Liegt das Feuermal hingegen im Nasenbereich, verschiebt sich der Fokus stärker auf materielle Themen. Geld, unternehmerische Entscheidungen und der Umgang mit Ressourcen rücken in den Vordergrund. Menschen mit einem Feuermal auf der Nase erleben häufig besondere Bewegung im Materiellen. Phasen des Erfolgs wechseln sich mit Phasen der Neuorientierung ab. Auch hier gilt: Entscheidend ist nicht das Merkmal, sondern der Umgang damit.
Ein Feuermal am Kinn, wird im Face Reading den späteren Lebensjahren (ab dem 60. Lebensjahr) zugeordnet. Es lenkt den Blick auf Fragen von Stabilität, Verwurzelung und Weitergabe. Je nachdem, wie ein Mensch seinen Weg gestaltet, kann dieses Merkmal auch hier auf Phasen von Veränderung oder Neuorientierung in späteren Lebensjahren hinweisen. In entwickelter Form steht es für Verantwortung gegenüber anderen, für Einfluss, der über das eigene Leben hinausreicht, und für eine präsente, tragende Rolle im späteren Lebensabschnitt.
Wichtig: Das chinesische Gesichtlesen versteht Schicksal nicht als starres Urteil, wie es in der westlichen Welt oft aufgefasst wird. Es beschreibt vielmehr ein Zusammenspiel von Anlage und Entwicklung. Gelesen wird, was mitgegeben wurde und wie sich daraus im Laufe des Lebens etwas formt.
5. Qualität, Reife und die sogenannte Schattenseite
Wie eben bereits geschrieben, gibt es Im Face Reading kein starres Gut oder Schlecht. Auch beim Feuermal nicht. Ein klar begrenztes, helles, gleichmäßig gefärbtes Feuermal wird grundsätzlich günstiger gelesen als ein dunkles, unruhiges oder stark spannungsdurchzogenes.
Verändert sich die Farbe deutlich oder wirkt das Feuermal grau, sehr dunkel oder entzündlich, wird dies als Hinweis auf innere Konflikte, Machtkämpfe oder Überforderung verstanden. Aber auch hier gilt, es handelt sich nicht um ein Urteil, sondern um ein Hinweis. Das Gesicht zeigt in solchen Fällen, dass ein Mensch mehr trägt, als ihm guttut.
Hier zeigt sich ein zentraler, allgemeiner Punkt im Face Reading: Merkmale sind kein dysfunktionaler Stempel, der Menschen aufgedrückt wird. Sie verweisen auf den Energiehaushalt, auf Aufgaben und mögliche Spannungsfelder. Ob sie konstruktiv oder belastend wirken, hängt stark davon ab, wie bewusst jemand lebt und welche Haltung er zu sich selbst entwickelt.
6. Meine Haltung als Face Reader
Ein verantwortungsvoller Umgang mit auffälligen Merkmalen wie dem Feuermal erfordert Zurückhaltung. Ich lese immer nur das, was sichtbar ist. Ich deute nie übergriffig und lege nichts fest. Vielmehr nutze ich solche Merkmale als Einladung zum Gespräch, als Ansatzpunkte für Fragen, jedoch nie als endgültige Aussage.
Ein Feuermal sagt daher nichts darüber aus, ob ein Mensch „besonders“ ist. Jeder Mensch ist besonders. Es verweist jedoch darauf, dass die eigene Wirkung selten neutral bleibt, da es im Face Reading keine Zufälle gibt. Was daraus entsteht, entscheidet sich im Leben selbst.
7. Einordnung statt Bewertung
In der Arbeit mit Gesichtern zeigt sich mir immer wieder, dass gerade auffällige Merkmale jene Punkte sind, an denen sich Lebenseinstellung, Verantwortung und Wirkung bündeln. Menschen mit einem Feuermal werden gesehen – oft früher, häufiger und präsenter als andere. Das kann herausfordernd sein, aber auch zu einer eigenen kraftvollen Ressource werden.
Im Face Reading geht es deshalb nicht darum, einem Merkmal Bedeutung aufzudrücken. Es geht darum, einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem, was sichtbar ist, und dem, was ein Mensch daraus macht. Ein Feuermal verweist auf kein festgelegtes Schicksal, sondern auf ein Wirkfeld.
Ob dieses Wirkfeld als belastend oder tragend erlebt wird, hängt weniger vom Mal selbst ab als davon, wie jemand Verantwortung übernimmt, Grenzen setzt und sich selbst ernst nimmt. In diesem Sinne ist ein Feuermal kein Makel, sondern ein Hinweis auf Kraft, die geführt werden will. Nicht alles, was auffällt, ist ein Fehler. Manche Dinge sind schlicht Teil der eigenen Geschichte.
Wenn du tiefer in das Thema Face Reading einsteigen möchtest
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FAQ zum Feuermal im Gesicht
Was ist ein Feuermal genau?
Ein Feuermal, medizinisch als Naevus flammeus bezeichnet, ist eine angeborene Gefäßveränderung der Haut. Es entsteht durch dauerhaft erweiterte Blutgefäße in den oberen Hautschichten und zeigt sich als rötlich bis violett gefärbter Hautbereich. Ein Feuermal ist gutartig und in den meisten Fällen gesundheitlich unbedenklich.
Verschwindet ein Feuermal im Laufe des Lebens von selbst?
In der Regel nein. Im Gegensatz zum sogenannten Storchenbiss bildet sich ein Feuermal meist nicht zurück. Es bleibt über das gesamte Leben sichtbar, verändert sich jedoch häufig nur wenig. Größe und Form bleiben meist stabil, auch wenn sich die Farbintensität im Laufe der Jahre leicht verändern kann.
Kann man ein Feuermal entfernen oder behandeln?
Aus medizinischer Sicht ist eine Behandlung meist nicht notwendig. Laserbehandlungen können bei kleineren oder klar begrenzten Feuermalen zu einer Aufhellung führen, garantieren jedoch kein vollständiges Verschwinden. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, ist in erster Linie eine persönliche und ästhetische Entscheidung.
Hat ein Feuermal im Face Reading eine Bedeutung?
Ja. Im Face Reading gilt das Feuermal als sogenanntes dominantes Merkmal. Es wird als Hinweis auf starke Lebensenergie, Wirkung und Sichtbarkeit gelesen. Die konkrete Bedeutung hängt davon ab, wo das Feuermal im Gesicht liegt, wie klar es abgegrenzt ist und in welchem Gesamtzusammenhang es steht. Es wird nicht als gutes oder schlechtes Zeichen bewertet, sondern als Ausdruck von Wirkung und Aufgabe.
Bedeutet ein Feuermal, dass jemand ein „besonderes Schicksal“ hat?
Nein. Im Face Reading geht es nicht um Wahrsagerei oder festgelegte Schicksale. Ein Feuermal weist eher auf ein Wirkfeld hin, in dem ein Mensch sichtbar wird, Verantwortung übernimmt oder Einfluss ausübt. Wie sich das im Leben zeigt, hängt stark von Haltung, Entscheidungen und Bewusstsein ab.
Gibt es Unterschiede je nach Position des Feuermals im Gesicht?
Ja. Die Position spielt im Face Reading eine wichtige Rolle. Ein Feuermal auf der Stirn wird anders gelesen als eines auf der Nase oder am Kinn. Je nach Lage können Themen wie Führung, materielle Dynamik oder die späteren Lebensjahre in den Vordergrund treten. Entscheidend ist jedoch immer das Zusammenspiel mit dem gesamten Gesicht.
Ist ein Feuermal ein Makel?
Aus Sicht des Face Readings nein. Ein Feuermal ist kein Fehler, sondern ein Merkmal, das Aufmerksamkeit erzeugt. Viele Menschen empfinden es dennoch als störend, weil es nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Ob jemand sein Feuermal als Belastung oder als Teil seiner Identität erlebt, ist eine sehr individuelle Frage.
Sollte man ein Feuermal im Face Reading besonders vorsichtig deuten?
Ja. Gerade weil es ein auffälliges Merkmal ist, erfordert es eine verantwortungsvolle und zurückhaltende Einordnung. Ein Feuermal wird nicht isoliert gedeutet und niemals pauschal bewertet. Es dient als Ansatzpunkt für ein tieferes Verständnis, nicht als Etikett.
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